Windhauch

 

 

Du weißt, dass ich unsichtbar bin. Aber du kannst verfolgen wo ich bin. Mal drehe ich die Blätter der Pappeln wie in einen Tanz. Ich treibe eine Feder die die Wildgans auf dem Teich verloren hat, vorwärts wie ein Schiffchen. Das Reh im Wald dreht mir seinen Kopf zu weil ich ihm Gerüche entgegen trage. So warne ich es falls ein Jäger in seine Richtung schleicht. Im Herbst können die trocknen Blätter auf Büschen und Bäumen rascheln, weil ich sie bewege. Du kannst mich am Ufer eines Flusses finden an dem Enten schwimmen. Ich blase das Wasser zu kleinen Wellen. Die Entenkinder sind so leicht, dass sie auf der gekräuselten Oberfläche auf- und abgewogen werden. 

Ich streichele dich ganz sanft. Fühlst du es auf deiner Wange?

 

Nun will dir ein wenig meine Geschichte erzählen.

Schwach und allein strich ich dahin; ohne Ziel. Ich wollte entdecken was ich alles machen kann und was meine Stärken und Schwächen sind. Wie viel kann ich beeinflussen und bewegen. Was geschieht, wenn ich kalt bin und was, wenn ich warm bin. Kann ich auch so heiß sein, dass es für Menschen unangenehm ist?

Als erstes fand ich mich auf dem Meer, es war ein ruhiger Tag, etwas grau, man konnte die Sonne nicht sehen. Ich strich über das Wasser. Ich fragte es „warum siehst es so grau aus und nicht so hell blau wie gestern?“ „Weißt du nicht, dass ich farblos bin und von der Sonne abhängig bin? Scheint sie im Himmel so ist dieser blau und er reflektiert sich in mir, dem Meereswasser. Aber das allein macht es nicht hell blau. Je tiefer ich, das Meer ist, um so dunkler erscheine ich. Heute bedecken Wolken den Himmel und so sehe ich grau aus wie sie.“

 

Auf einem Segelboot saßen zwei Männer. Ich strich über ihren nackten Oberkörper. Sie bekamen eine Gänsehaut und zogen sich eine Jacke an. Also musste ich sie wohl kühl berührt haben. Wie gerne hätte ich sie ein wenig gewärmt Aber wie ein blauer Himmel die Farbe des Meeres bestimmt, so bin ich von der Sonne für meine Warme abhängig.

Als ich nun weiter über den Ozean glitt war die Wasseroberfläche ganz still. Sie wurde nicht mal ein wenig gekräuselt als ich es berührte. Einer der Männer sagte “wir brauchen Wind in den Segeln“.

Ich versuchte mit aller Macht zu blasen um ihr Boot vorwärts zu bewegen. Doch ich war zu schwach. Nur die dünnen Metall Takelage machte ein wimmerndes Geräusch. Die Segel hingen noch immer schlaff. Wie gerne hätte ich ihre Segel gefüllt, aber ich war von den Bewegungen der Luft für meine Stärke abhängig.

Ich kam an einen sandigen Strand und dann wehte ich über eine sandige Wüste. Ein paar Nomaden waren auf dem Weg zu einem Markt um ihre Handelswaren zu verkaufen oder vielleicht auch eines Ihrer Kamele. Ihre braunen Schlanken Körper waren mit leichten weißen Gewändern bedeckt. Um den Kopf hatten sie ein weißes Tuch gewickelt. Ich sah, das ihnen warm war. So blies ich sie an um sie zu kühlen. Sie schützten ihr Gesicht vor mir. Kleine Sandkörner hatten sich wohl in mich hineingeschlichen. Ich war so warm wie die Luft und der Sand der von der starken Sonne beschienen wurde, machte mich noch wärmer. Ich wünschte ich könnte mich in eine kühle Briese verwandeln. Aber ich war abhängig von der Temperatur um mich herum.

Ich wanderte weiter zu einer Oase. Eine tiefe Quelle hatte einen kleinen Teich gebildet. Eine Gruppe von Palmen warf Schatten auf die weißen Lehmgebäude und die Menschen die vor den Hütten saßen. Einige waren damit beschäftigt ihr Stände für den heutigen Markt aufzubauen. Ich strich über den Teich hin zu den Kindern die am Wasserrand spielten. Sie hoben ihre Arme zu mir, ihre Gesichter hellten sich von ihrem Lachen und sie riefen voller Freude „eine kühle Briese!“ Ich der Windhauch der noch soeben heiß war, wurde von dem Wasser über das ich strich, abgekühlt.

Ich wehte weiter, immer in die Richtung Norden wo es kühler war. Ich fegte durch eine breite Straße in einer Großen Stadt mit hohen Häusern. Mit einem plötzlichen Wirbel nahm ich Staubkörner hoch und bildete ich eine Wolke. Die Fußgänger legten einen Arm schützend vor ihr Gesicht. Papierfetzen von mir getrieben rollten in eine Pfütze. Die Flagge vor der Post flatterte an seinem Posten.

Ich merkte, dass ich nichts alleine machen konnte. Die Sonne wärmte mich, das Wasser kühlte mich und gab mir Feuchtigkeit und Sandkörner nahmen mir meine Weichheit.

Ich konnte dies oder das machen und alles hatte einen Einfluss auf etwas Anderes. In selber Weise hatten Dinge um mich herum eine Wirkung auf mich.

Hier nun ist eine kleine Weisheit für dich mein Menschlein: Nichts und Niemand ist allein in dieser Welt. Keine Handlung von dir ist ohne Folge. Beobachte was anderer Taten und Worte in deinen Gefühlen hervorbringen und was wiederrum deine Reaktionen bewirken.

Mit der Zeit wirst du mit größerem Bewusstsein handeln können. Mit Übung wird die unfreundliche Art einiger Mitmenschen dich weniger verletzen. Mit Erfahrung wirst du deine Stärken und Schwächen erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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